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Monika KruseMonika Kruse
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Monika Kruse - Traces - Terminal M

19. April 2012
Es könnte ein Montag sein. Vielleicht ist es auch eher ein Dienstag oder ein ganz anderer Wochentag. Es ist aber auf jeden Fall einer dieser Tage, an dem die Erinnerungen wie eine Parade voller Eindrücke vorbeiziehen. Und dann beginnt die Spurensuche. Hier ein paar Dutzend Bilder in der Digitalkamera, da der Plattenkoffer, der immer noch am Türeingang steht. Handle with care. This side up. In der Jackentasche ein Flyer, auf dessen Rückseite eine kurze, aber doch so wertvolle Nachricht steht: „Thank you for the music!“




Monika Kruse kennt diese Tage und Momente, in denen die gesammelten Erinnerungen als DJ, Musiker und Produzent immer wieder verknüpft werden und genau die Kraft und Ideen geben, sich immer wieder neu der Musik zu widmen. Anfang der Neunziger Jahre begann Sie mit ihren DJ-Gigs als Resident im Ultraschall-Club in München, veröffentlichte in der Folgezeit sieben DJ-Mix-Alben, drei Künstleralben und gründete die Plattenlabel Terminal M und Electric Avenue Recordings. Ihre DJ-Karriere brachte sie mehrmals zu Japans größtem Indoor Rave “Wire“, in australische oder brasilianische Clubs, vor 1,5 Mio. Besucher bei der Berliner Loveparade oder in mittlerweile weltbekannte Stadtclubs wie Berghain/Panoramabar, Watergate und Weekend. Mehr als zwei Jahrzehnte später hat Sie für ihr viertes Künstleralbum aus den bisherigen Spuren und Wurzeln dieses musikalischen Lebens einem Spannungsbogen gefunden, das nicht weniger als ihre Anfänge, Höhepunkte, Nebenpfade und Lieblingsgenres umfasst. Wenn Begriffe wie Deephouse, Techno, Drum & Bass oder Techhouse nur einzelne Wörter sind, stehen für Monika dahinter Hunderte von prägenden Platten, Künstler und Abende. Spuren, die irgendwann in ihrer Unterschiedlichkeit von Ihr eingesammelt und verarbeitet wurden. In einem Album, als ein Mix. Als Einheit aus Vielfalt. Und so finden sich in rund 66 Minuten alle Facetten einer musikalischen Laufbahn, deren Stationen um den ganzen Globus unserer Emotionen reichen. Musik als Motor ihres Lebens. 12-Inch oder 12 Zylinder? Das Album bietet 12 Antworten.

Es beginnt mit „Cycel of Trust“, das wie der perfekte Soundtrack zu einem Sonnenaufgang seinen Tribalgroove vorantreibt und dann in „Playa Dust“ übergeht, dessen Trommeln und hypnotische Fläche den Track und seinen Zuhörer scheinbar schweben lassen. Das folgende „Exhale“ bringt uns dann sehr dubbig wieder auf den Boden der Tanzfläche, deren Ort und Zeit wir nur ahnen können. Dabei ist es vielleicht nur die coole Vorbereitung auf das, was die Stimme von Chicagohouse-Pionier Robert Owens (Fingers Inc.) dann in „One Love“ anrichtet. Do dreams come true, they did the day I met you. Dieses Intro dürfte man nach Albumrelease in allen folgenden Monaten öfter hören und die Basslinie beweist, wie viel Leben in einem Housetrack stecken kann. Und gleichzeitig alle Fragen beantwortet, warum ein Genre namens Deephouse erfunden wurde. Dabei zeigt Monika Kruse gerade in den Breaks ihrer Tracks, wie das Tempo nach oben geschraubt werden kann, ohne in peinliche Effekthascherei zu verfallen. Dies hört man auch in den zwei folgenden Varianten von „Robot Heart“, das zuerst als Edit eine gerade Marschrichtung hat, um dann im Originalmix deutlich mehr auf die Hüfte zu gehen. Wenn doch Roboter nur tanzen könnten. Zur besten Mitte des Albums werden die Technowurzeln aus Monikas Karriere dann immer mehr offen gelegt. Mal bei „Wavedancer“, das Sie zusammen mit dem Bremer Produzenten Thomas Schuhmacher hier im Remix einbaut, mal mit „Traces“ oder dem extrem treibenden „Trippy Tipi“, dessen Legionen von Drums alten Technoklassikern von Jeff Mills oder Joe Beltram Tribut zollen. Wer Monikas DJ-Sets kennt, wird aber schon ahnen, das Abwechslung auch ohne harte Brüche machbar ist und so folgt der markante Track „With Hindsight“, in dem die soulige Stimme vom Nick Maurer (Shak Digital, Shaker Plates, Om, D'lectable) einem tollen Klavierbreak gegenübergestellt wird. Mit „Namaste“ nähert sich das Album wieder seinem Ausgangspunkt und in dem sehr emotionalen Schlusstrack „M.U.M.“ offenbart Monika Kruse sogar noch ihr Faible für gebrochene Ambientstücke im Stil von Aphex-Twin oder Autechre. Dabei scheint dies wieder nur das Ende eines neuen Anfangs zu sein. Für einen Tag, an dem neue Spuren gelesen werden.